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Bestandsaufnahme nach vier bis sechs Wochen - zweite Konsultation PDF Εκτύπωση E-mail
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The following is an excerpt of Appendix B from “Die wissenschaftliche Homöopathie - Theorie und Praxis naturgesetzlichen Heilens”. In Anhang B, Prof Vithoulkas describes twenty-two responses to a homeopathic remedy. The following are just three of those.

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Bestandsaufnahme nach vier bis sechs Wochen — zweite Konsultation

Die folgenden Diagramme samt ihren Erläuterungen sind nicht dazu gedacht, jeden nur denkbaren Fall abzudecken. Trotzdem werden sie dem Leser nach gründlichem Studium einen vertieften Einblick in die Grundregeln einer homöopathischen Bestandsaufnahme verschaffen. Diese Regeln sind nicht zum Auswendiglernen und routinemäßigen Anwenden gedacht; vielmehr gilt es, den Geist zu erfassen, der ihrer wechselnden Gestalt zugrundeliegt. Nur so wird der Leser wirklich verstehen, in welcher Richtung der Heilungsprozeß zwangsläufig voranschreitet. Bei aller Vereinfachung der Skizzen und ihrer Beschreibung sehen wir hier die in diesem Buch beschriebenen Gesetzmäßigkeiten in Aktion.

Ein Hinweis zum Aufbau der Diagramme: Die senkrechte Achse bezeichnet jeweils den Intensitätsgrad der Symptome, die waagerechte Achse die Zeit. Vom Standpunkt der Homöopathie aus wäre es nun genaugenommen richtiger, im Diagramm die Entwicklung des Gesundheitszustands eines Patienten wiederzugeben; eine Besserung im Befinden käme dann in einer steigenden Kurve zum Ausdruck und nicht in einer fallenden Kurve, wie sie bei abnehmender Intensität der Symptome entsteht. Wir haben letztere Form gewählt, weil der Patient zunehmende Gesundung anhand abnehmender Symptome zu beschreiben pflegt. Er mißt hieran seine gesundheitlichen Fortschritte, obwohl dies genaugenommen im Hinblick auf den Abwehrmechanismus nicht ganz zutrifft. Von daher also folgen unsere Diagramme der landläufigen Betrachtungsweise.

Ferner sei darauf hingewiesen, daß die Verlaufskurven in den Diagrammen absichtlich nicht relativ gerade, sondern vielfach gewellt gezeichnet sind. Damit sollen die Schwankungen angedeutet werden, denen die Symptome eines Patienten von einem Tag zum andern häufig unterliegen. Werden sie innerhalb eines zu kurzen Zeitraums betrachtet, z.B. nur über Stunden oder wenige Tage, so führt das leicht zu einer Fehleinschätzung des Gesamtbildes hinsichtlich der gesundheitlichen Entwicklung des Patienten. Punktuell kann jederzeit eine scheinbar bedeutsame Verschlimmerung oder Besserung auftreten, die sich dann aber im Gesamtverlauf als bedeutungslose Tagesschwankung entpuppt.

FALL III:


Patient: »Ich fühle mich besser, habe aber noch Beschwerden.«
Tatbestand: Die Hauptsymptome haben sich nach kurzer Erstverschlimmerung gebessert, während geringere Symptome unverändert fortbestehen.
Deutung: Das Mittel war richtig, Prognose ist positiv.
Weitere Anweisung: Abwarten.

Die Deutung dieses Sachverhalts ist etwas komplizierter als bei den vorangegangenen beiden Fällen. Der Patient teilt Besserung der körperlichen Hauptbeschwerden, der Tatkraft sowie auf geistiger und emotionaler Ebene mit, doch klagt er noch über einige unverändert fortbestehende weniger gewichtige Symptome, etwa fliegende Hitze, starkes Verlangen nach Sü-ßigkeiten, Lärmempfindlichkeit, Verstopfung usw. Dieser Situation sieht sich der Homöopath wohl in der Mehrzahl erfolgreich verlaufender Fälle gegenüber.

Gerade an diesem Punkt kann ein ungeduldig auf vollen Erfolg drängender Arzt leicht großen Schaden anrichten. Die Prognose des Falles ist ja günstig, weil in allen drei wichtigen Bereichen nach Erstverschlimmerung eine deutliche Besserung eingetreten ist. Deshalb dürfen die geringeren Symptome jetzt nicht behandelt werden. Würde der Homöopath sogleich versuchen, sie durch ein weiteres Mittel zu beseitigen, so liefe er Gefahr, den Fall zu verpfuschen.

Stattdessen sollte man den Patienten in seinen positiven Erwartungen bestärken und dann lange Zeit einfach abwarten. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die restlichen Symptome nach drei oder mehr Monaten allmählich von selbst verschwinden. Nur falls sie sich nach langer Zeit noch immer hartnäckig halten und dem Patienten sehr zu schaffen machen, sollte man den Fall neu aufnehmen; meist stellt sich heraus, daß ein komplementäres Mittel angezeigt ist.

FALL IV:


Patient: »Es geht mir besser, aber es sind einige neue Symptome aufgetreten.«
Tatbestand: Deutliche Erstverschlimmerung, dann Besserung, dabei jedoch Entwicklung neuer Symptome, die für das verordnete Mittel charakteristisch sind.
Deutung: Das Mittel war richtig, dabei Pseudo-Prüfungseffekt. Günstige Prognose.
Weitere Anweisung: Abwarten. Neue Symptome werden verschwinden.

Auch dieser Situation begegnet der Arzt häufig, und wie in Fall III muß er sich vor jedem vorschnellen Eingriff hüten. Der Patient berichtet eine entschiedene Besserung aller wichtigen Symptome, und genaueres Nachfragen bestätigt eine Verschlimmerung während der ersten paar Tage. Es sind jedoch neue Symptome aufgetaucht, die ganz typisch sind für das verabreichte Mittel.

Vielleicht klagte der Patient z.B. ursprünglich über Energielosigkeit, periodisch wiederkehrende Aphthen und flechtenartige Hautausschläge. Nach sorgfältiger Fallaufnahme wird Natrium muriaticum verabreicht. Einen Monat später erzählt der Patient: »Allerhand, wie das Zeug wirkt!

Nach ein paar Tagen war ich total schlapp, meine Aphthen und meine Hautausschläge waren noch viel schlimmer geworden! Aber danach sind sie verschwunden. Seitdem geht es mir glänzend wie schon seit zwanzigjahren nicht! Allerdings habe ich jetzt mehrmals die Woche Kopfschmerzen, immer so gegen 10 Uhr morgens. Merkwürdig, ich hatte nie Kopfschmerzen, bevor ich das Mittel nahm.«

Dem Arzt fällt sofort auf, daß diese Kopfschmerzen um 10 Uhr morgens ein typisches Symptom von Natrium muriaticum darstellen. Das Gesamtbefinden hat sich gebessert, aber ein neues, dem Mittel entsprechendes Symptom liegt vor.

Dies darf man nicht als Gegenanzeige mißdeuten, die eines Gegenmittels bedarf. Tatsächlich wird dadurch sehr schön die Richtigkeit der Verordnung erhärtet, und die Devise muß lauten: Abwarten! Das neue Symptom ist lediglich eine Manifestation des Mittels, die spätestens innerhalb einiger Wochen vergeht; danach wird es dem Patient vollends gutgehen.

Diese Deutung für das Auftreten eines weiteren und mittel-spezifischen Symptoms gilt aber nur, wenn sich gleichzeitig der Gesamtzustand des Patienten gebessert hat.

FALL VII:


Patient: »Meine ursprünglichen Beschwerden haben sich gebessert, aber jetzt hat sich ein neues Problem eingestellt.«
Tatbestand: Die Hauptbeschwerde hat ohne Erstverschlimmerung nachgelassen, während ein neues, tieferes Problem auftrat. Keine Veränderung der Tatkraft und keine auf der geistig-emotionalen Ebene.
Deutung: Das Mittel hat unterdrückend und störend gewirkt.
Weitere Anweisung:
    1. Zunächst ursprüngliche Fallaufnahme neu durchdenken, um das richtige Mittel zu erkennen.
    2. Erscheint kein Mittel passend, allopathisches Gegenmittel, Kaffee oder Kampfereinreibungen verordnen und warten, bis sich wieder ein klares Symptombild entwickelt.

Der vorliegende Fall ist etwas ungewöhnlich, aber keineswegs unbekannt, besonders während der ersten Jahre homöopathischer Praxis. Der Patient weist keine wesentlichen Veränderungen im Energie- bzw. geistig-emotionalen Bereich auf; die körperlichen Hauptbeschwerden haben sich etwas verringert, aber zugleich sind starke neue Symptome an ihre Stelle getreten.

Wenn der Bericht des Patienten wirklich stimmt, dann wurde lediglich ein Symptom unterdrückt und durch ein anderes ersetzt. Wenn dadurch kein neues homogenes Symptombild entstanden ist, das auf ein anderes Heilmittel verweist, sondern der Fall stattdessen unklarer wurde, dann sollte man sich erneut in die ursprüngliche Fallaufnahme vertiefen, um das richtige Mittel zu finden.

Stellt sich dies auf der Grundlage der ersten Fallaufnahme als unmöglich heraus, wartet man am besten ab, bis die neuen Symptome wieder von selbst verschwinden, so daß sich das ursprüngliche Bild wiederherstellt. Hier kommt es jedoch auf den Zustand des Patienten an; leidet er schwer unter den neuen Symptomen, dann versucht man lieber, sie durch Gegenmittel zu lindern, entweder durch Verabreichung gewöhnlicher allopathischer Palliative, durch Verordnung beträchtlicher Mengen Kaffee, die der Patient zu trinken hat, oder auch durch intensives Einreiben der Haut mit größeren Mengen Kampfer. Nach zwei bis drei Wochen bricht man diese Behandlung mit Gegenmitteln ab und wartet etwa eine weitere Woche, bis sich der Abwehrmechanismus zu einem neuen Gesamtbild eingependelt und geklärt hat. Nun nimmt man den Fall neu auf und verordnet dann das passende Mittel.

Bei solchen Fällen der Symptomverdrängung ist es sehr wichtig, daß man nicht etwa aufgrund des neuen Bildes ein anderes Mittel zu geben versucht. Das würde den Fall wahrscheinlich noch undeutlicher machen. Auch ist es ratsam, als Gegenmittel bewußt kein homöopathisches Mittel zu verordnen, da es, wenn es auf die neuen Symptome wirken soll, wahrscheinlich eine sehr ähnliche Resonanzfrequenz hätte, so daß der Organismus zusätzlich in seinem Gleichgewicht gestört würde. Es ist bei weitem vorzuziehen, wenn man dem Abwehrmechanismus erlaubt, im Laufe der Zeit von selbst ein eindeutiges Symptombild zu erstellen, das als Grundlage der Mittelwahl dienen kann.